Emotionales Finale in Mainz – „Hart, aber fair. Aber hart.“

Wir schreiben den 24. September 2017 oder auch: den wichtigsten Spieltag der Saison für die Mainz Golden Eagles Ladies und die Berlin Kobra Ladies. Die beiden Teams erarbeiteten sich den Einzug ins Finale der deutschen Meisterschaft des Damenfootballs, dem Ladiesbowl 2017. Dieses Jahr in Mainz ausgetragen, boten sich die Teams ein emotionsgeladenes Kopf-an-Kopf-Rennen, das an Spannung nicht zu überbieten war.

Alle Jahre wieder im November beginnen die Kobra Ladies das Wintertraining mit einem klar definierten, wenn auch weit entfernten, Ziel vor Augen: den Meistertitel der Saison nach Berlin zu holen. So auch im November 2016. Mit einem neuen Coaching-Staff und vielen Rookies tauchten sie motiviert in die gewohnte Wintertrainingsroutine ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass es Anfang 2017 zu einem erheblichen Umbruch kommen würde. Binnen zwei Monaten hatte das Team mit Abgängen, sowohl vonseiten des Trainerstabs als auch der Spielerinnen zu kämpfen. Ein Negativerlebnis jagte das nächste, sodass die Berlinerinnen schließlich vor einer schwierigen Entscheidung standen: Alles oder nichts?

Jede(r) war sich bewusst, dass alles ein massives Stück Arbeit mit sich bringen würde, doch alles unversucht lassen und aufgeben? – Für den bis dato neunfachen deutschen Meister keine Option. Folglich begab sich das Team auf ins Abenteuer „Meisterschaft“, neue Coaches und ein ebenso neues Spielsystem im Schlepptau.

Trotz zahlreicher Verletzungen, einer herben Niederlage in Hamburg sowie lauteren und leiseren Zweifelsbekundungen arbeiteten sie sich von Trainingseinheit zu Trainingseinheit und Spiel zu Spiel bis ins Halbfinale. Wider jeglichen Erwartungen konnten die Kobra Ladies die Münchener Cowboys Ladies schlagen und sich somit einen Platz im Finale sichern.

Erst zehn Tage vor dem Finale stand fest, dass der diesjährige Ladiesbowl in Mainz stattfinden würde. In den vier folgenden Trainingseinheiten mussten OC Lukasz Kroll und DC Sebastian Pecher mit Hilfe ihrer Position- und Gastcoaches an den Playbooks arbeiten und das Team bestmöglich vorbereiten.

Kurz vor Mitternacht am Samstag, dem 23. September, brachen die Footballdamen samt Helfern und Coaches im Doppelstockbus auf nach Mainz. Nach einer semierholsamen Nacht und einem gehaltvollen Frühstück um 7 Uhr morgens im Mainzer Intercity Hotel, erreichten die Kobra Ladies das Stadion. Verwirrung stiftete die Anweisung der Coaches, sich im Bus oder davor umzuziehen, da die Umkleidekabinen unglücklicherweise erst ab 12 Uhr zur Verfügung gestellt werden konnten – zu spät für den strikt getakteten Zeitplan des Gastteams.

Das Endspiel wurde gebührend eingeläutet durch eine Live-Darbietung der deutschen Nationalhymne. Den anschließenden Coin Toss führte ein Special Guest aus, der RB #7 des GFL-Teams Frankfurt Universe, Silas Nacita. Den obligatorischen Münzwurf entschieden die Berliner Ladies für sich und wählten die Second Half Option, um mit der Defense unmittelbar nach dem Kick Off ein Statement setzen zu können. – Erfolgreich, denn sie stoppte die Mainzerinnen 2 Yards vor der Endzone. Leider konnte die Berliner Offense auch keinen Profit aus dem Ballbesitz schlagen, weswegen das Angriffsrecht per Punt durch #65 Jessica Oehmke abgegeben werden musste. Daraufhin demonstrierte die Mainzer Offense ihre Stärke und Gefahr für die Defense mit einem sehenswerten 30-Yard-Touchdown-Pass auf  #87 Greta Spieß. Der anschließende PAT glückte nicht. Spielstand 06:00 für Mainz.

Es folgte ein beiderseitig punkteloser Defense-Schlagabtausch in der Mitte des Feldes. Im zweiten Quarter setzte die Offense der Mainzerinnen zunehmend auf das Passspiel, da die Berlinerinnen das Laufspiel weitestgehend unter Kontrolle brachten. So arbeiteten sich die Gastgeber bis an die Berliner 3-Yard-Linie vor und erhöhten mit einem kurzen TD-Pass auf #7 Deborah Simon. PAT good. Neuer Spielstand 13:00.

Die wachsende Nervosität an der Berliner Sideline war deutlich zu spüren. Der Funke wollte einfach nicht überspringen.

Durch einen soliden Kick-Off-Return von #24 Suse Erdmann, gestoppt an der Berliner 42-Yard-Linie, kamen die Kobra Ladies in eine gute Ausgangsposition. Gleich im ersten Drive war es ebenfalls #24 RB Suse Erdmann, die über 58 Yards unberührt zum Touchdown lief. Die Two-Point-Conversion misslang. Neuer Spielstand 13:06.

In der Mitte des zweiten Quarters musste Berlin einen harten Rückschlag einstecken. Während die Offense auf dem Feld stand, flogen nach einem Spielzug plötzlich die gelben Flaggen hoch. Nach längerer Beratungszeit verkündeten die Schiedsrichter ihre Entscheidung: #65 Jessica Oehmke, die von den Coaches auf mehreren Positionen eingesetzt wird, wurde des Platzes verwiesen; ein Entschluss, an dem sich die Geister spalteten und den Berliner Kampfgeist wachrüttelte. Im darauf folgenden Drive war es wieder #24 RB Suse Erdmann, die den Ball über 38 Yards in die gegnerische Endzone trug. Die folgende Two-Point-Conversion verwandelte #85 WR Jule Hollerbaum per Lauf. Neuer Spielstand 13:14. Erstmals ging Berlin in Führung. Bald darauf verabschiedeten sich die Teams in die Halbzeitpause.

Aufgrund der Second Half Option entschied sich Berlin, den Ball zu empfangen. Die Offense schaffte es jedoch nicht bis über die Goalline. Dies gelang den Gastgebern besser. #81 QB Jennifer Wollmann fand einige Meter vor der Berliner Endzone keinen freien Passempfänger und lief selbst. Neuer Spielstand nach gültigem PAT: 20:14.

Die Führung währte nicht lange. Nur wenige Spielzüge später passte #11 QB Silvana Friese auf #85 WR Jule Hollerbaum, die den Ball sicher fing und in die Endzone der Mainzer lief. Ein 65-Yard-Touchdown. Die Two-Point-Conversion schlug erneut fehl. Neuer Spielstand 20:20.

Mainz versuchte im anschließenden Drive vergebens zu erhöhen. Die Defense machte alle Wege zu. Die Kobra Ladies kamen mit der Offense aufs Feld und #24 RB Suse Erdmann erhöhte mit einem beeindruckenden Lauf über 50 Yards in die Mainzer Endzone auf 20:26. Doch auch diese Two-Point-Conversion wurde gestoppt.

Als die Seiten im Spiel zum letzten Mal gewechselt wurden, hatte die Berliner Defense nur ein Ziel: keine Punkte mehr zuzulassen. Die Mainzer Offense machte den Gästen jedoch einen Strich durch die Rechnung, indem #81 QB Jennifer Wollmann Wide Receiver #11 Anna Steuer in der Endzone fand und diese den Catch zum 26:26 machte. Der PAT war nicht gut. Erneuter Ausgleich. Viertes Quarter, acht Minuten Spielzeit. Die Spannung stieg.

In den folgenden Minuten kam keines der beiden Teams in Endzonennähe. Kurz bevor die 2-Minute-Warning angekündigt wurde, musste Berlin einen weiteren Rückschlag einstecken. #24 RB Suse Erdmann verletzte sich am Fuß und war damit außer Gefecht gesetzt. Wieder mussten die Coaches umstellen, da auch Suse fester Bestandteil in Offense und Defense ist.

1 Minute und 50 Sekunden vor Schluss erhielt Mainz den Ball. Mit einem sensationellen Lauf von #42 Vera Martens drangen die Mainzerinnen weit in die Berliner Hälfte vor. Den Touchdown verhinderte #36 LB Gini Mahlow knapp an der 15-Yard-Linie. Um die letzten Yards zu überbrücken, setzten die Eagles auf den Pass. Die Defense übte mit Blitzen immer mehr Druck auf den Quarterback aus. In einem der Passversuche konnte #36 LB Gini Mahlow durch eine Interception glänzen und machte die Hoffnungen der Mainzer auf die Punkte zunichte. Gini trug den Ball bis an die Mainzer 38-Yard-Linie.

Bei nunmehr 1 Minute und 10 Sekunden Spielzeit kam die Berliner Offense aufs Feld. Der Plan: „Punkte machen, um nicht in die Overtime zu kommen.“ Mit einem beeindruckenden Pass von #11 QB Silvana Friese auf #85 WR Jule Hollerbaum rückten die Berlinerinnen bis an die Mainzer 7-Yard-Linie vor. Berlin versuchte es mit Lauf und Pass, Mainz verteidigte allerdings kompromisslos. Im dritten Versuch, bei 5 Yards zur Goalline und gerade einmal 23 Sekunden auf der Uhr, versuchte Berlin sich an einem Trickspielzug. Den Ball bekam #56 FB Alissa Wein, die mehrere Tackles brach und sich somit in die Endzone kämpfte – Touchdown Kobra Ladies. Die anschließende Two-Point-Conversion schlug fehl. Neuer Spielstand – 26:32 und elf Sekunden verbleibende Spielzeit.

Mainz im Angriffsrecht. Es lag auf der Hand, dass Mainz versuchen würde, mit einem Pass zu punkten, um die Partie in die Overtime zu retten. Folglich stellte die Defense um und positionierte zwei Safeties auf dem Feld. #36 LB Gini Mahlow blitzte über die Weakside und schlug unerbittlich in den Mainzer Quarterback ein. Diese verlor den Ball, der durch #77 DL Jana-Lea Becker gesichert werden konnte. Fünf Sekunden vor Spielende knieten die Berlinerinnen in der Victory-Formation ab. Das Scoreboard blieb bei 26:32 für das Gastteam aus der Hauptstadt stehen – das Ergebnis eines hart erkämpften Sieges.

Die Kobra Ladies ihrerseits fanden sich in einem überwältigten Siegestaumel wieder, der durch Helfer aus dem Männerteam, die beiden Teamärzte, Angehörige und befreundete Spielerinnen der Erlangen Sharks Ladies unterstützt wurde. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle auch dem Vorstand, der das Team die gesamte Saison hindurch begleitet und unterstützt hat.

Dieser Meisterschaftstitel ist nicht nur die Krönung einer schweren Saison für die Berlinerinnen; mit diesem zehnten Titel sind die Berlin Kobra Ladies nun offiziell das erfolgreichste Team in der Geschichte des Frauenfootballs in Deutschland.

 

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