Ladies Bowl: Kobra Ladies sichern sich den Meistertitel

Rekordmeister. So dürfen sich die Berlin Kobra Ladies seit dem Ladies Bowl XXVII in Erding nennen, bei dem sie mit einem 26:06 gegen die Munich Cowboy Ladies ihren elften Titel gewinnen konnten. Damit treten sie aus dem großen Schatten der nicht mehr existenten Berlin Adler Girls heraus, die diesen Titel zwischen 1993 und 2004 insgesamt zehn Mal für sich in Anspruch nehmen konnten.

Nach der langen nächtlichen Busfahrt aus Berlin folgte zunächst das gemeinsame Teamfrühstück, ehe es mit letzten Besprechungen und den Warm Ups weiterging. Spätestens beim Einlauf ins Stadion und der anschließenden Nationalhymne war allen Beteiligten klar, dass es jetzt ernst wird.

Dabei verloren die Kobra Ladies zunächst den Coin Toss und starteten deshalb mit dem Kick Off ins Spiel. Ein forcierter Fumble ließ das Angriffsrecht nach nur einem Spielzug jedoch wechseln, woraufhin sich die Berliner Offense auf den Weg Richtung gegnerischer Endzone machte. Das Laufspiel war zunächst das Mittel der Wahl und stellte sich als durchaus effektiv heraus. Running Back Susanne Erdmann ließ ihre gesamte Routine spielen und stellte die Münchner Defense ein ums andere Mal vor Probleme. Die Nummer 24 der Berlinerinnen setzte sich gegen die gut eingestellte Münchner Defense immer wieder durch und holte so genug Raumgewinn heraus, um den Drive am Leben zu halten.

An diesem Tage sollte jedoch ihre Positionskollegin eine tragende Rolle spielen. Jessica Sonnenberg ging 2018 in ihre zweite Saison mit den Kobra Ladies und wurde von Anfang an von Susanne Erdmann unter ihre Fittiche genommen. Der Running Back mit der Nummer 23 zeigte in diesem Finale einmal mehr, wie viel ihr der Serien-MVP der letzten Ladies Bowls schon beigebracht hat. So teilten sich die Spielerinnen nicht nur benachbarte Trikotnummern, eine vergleichbare Physis und einen zum Verwechseln ähnlichen Spielstil, sondern auch die Arbeit beim letzten Spielzug vor dem ersten Touchdown. Nachdem Susanne Erdmann  von den Cowboys Ladies schon gestoppt schien, pitchte sie in letzter Sekunde den Ball zu Sonnenberg, die die letzten Meter in die Endzone zum 06:00 zurücklegte.

Die restliche Zeit im ersten Quarter dominierten beide Verteidigungsreihen, die jeweils den vierten Versuch der Gegnerinnen stoppen konnten. Nachdem die Münchnerinnen den Ball bei einem missglückten Reverse-Spielzug abermals verloren, mussten nach dem ersten Seitenwechsel auch die Hauptstädterinnen punten. Mit einem Quarterback Sack durch Jessica Oehmke #48 und Meike Eckstein #54 holten sich die Kobra Ladies jedoch das Angriffsrecht erneut zurück und versuchten in der Folge vermehrt mit Pässen über das Feld zu gehen.
Nachdem ein solcher kurz vor der Endzone jedoch nicht gefangen werden konnte, sorgte abermals Jessica Sonnenberg mit einem Lauf für die Punkte zum 13:00.

Diese für Footballverhältnisse doch eher wackelige Führung galt es noch vor der Halbzeit zu sichern und so entschied sich Head Coach Lukasz Kroll für einen Onside Kick, um den Ball in den eigenen Reihen zu halten und noch vor der Pause eine Chance auf weitere Punkte zu haben. Zum Glück ist Jessica Sonnenberg nicht nur ein enormes Talent auf der Running Back Position, sondern zugleich auch noch ein Kicker, die es versteht, den Willen des Coaches umzusetzen. So gelang der Onside Kick und die Grundlage für das 19:00 war gelegt, bei dem Sonnenberg abermals in die schwarz-gelbe Endzone eintauchte.

Für die Halbzeitshow des Ladies Bowl hatten die Spielerinnen keine Augen, denn entschieden war noch lange nichts. Nach Wiederanpfiff stoppte die Bajuvarische Defense  den Berliner Angriff und es war einem Holding auf Seiten der Cowboys Ladies zu verdanken, dass ein Lauf des Running Backs Marei Knauthe über 50 yards nicht in Punkte umgemünzt werden konnte. Das war der Weckruf für die Hauptstadt-Defense, die jetzt hellwach ihre Endzone sauber hielt. Im Gegenzug nagelte die Münchner Defense ihre Gegnerinnen kurz vor deren eigener Endzone fest, so dass das dritte Viertel punktelos blieb.

Ein 70 yards Befreiungslauf von Susanne Erdmann läutete das letzte Quarter ein, in dem die Offense Line der Kobra Ladies zeigte, dass sie nicht nur zum Runblocking taugte. Quarterback Natalie Schlittermann #88 blieb durch effektives Passblocking eine unliebsame Begegnung mit der gegnerischen Defense Line erspart, sodass sie sich ganz auf das Ballverteilen konzentrieren konnte. Einen Pass fing schließlich Jessica Oehmke zum zwischenzeitlichen 26:00, ehe auf Seiten der Bayerinnen Marei Knauthe noch einmal ihre Klasse mit einem 40 yard Lauf zum 26:06-Anschluss zeigen konnte.

In der Folge verteidigte die Berliner Secondary den Luftraum gegen das verstärkt einsetzende Passspiel der Cowboys Ladies erfolgreich und ließ so keine weiteren Punkte mehr zu. Da dasselbe auch für die vertauschten Rollen galt, blieb es bis zum Schlusspfiff beim 26:06 und die Berlin Kobra Ladies feierten ab diesem Moment ihre elfte Meisterschaft.

Die rund 500 Zuschauer sahen im Anschluss die Medaillen- und Pokalübergabe an beide Teams. Für Berlin nahmen die drei Teamcaptains den Pokal für den Deutschen Meister entgegen: Linebacker Stepanida Chepkasova #49, Linebacker Ariane Parusel #50 und Running Back Susanne Erdmann #24. Die beiden letzten waren mit dem Sieg die letzten verbliebenen Spielerinnen im Kader, die schon 2007 den ersten Titel mit den Berlin Kobra Ladies gewinnen konnten.
Auf der Seite der Berlinerinnen war es zunächst abermals Susanne Erdmann, die den Titel für die beste Spielerin entgegennahm. Es ist unüblich, dass der MVP-Titel innerhalb eines Teams geteilt wird. Doch Erdmann erkannte neidlos an, dass es an diesem Tage Jessica Sonnenberg war, die nicht nur drei der vier Touchdowns erlief, sondern auch mit ihrem Kicking Game maßgeblich am Sieg beteiligt war. Deshalb übergab sie auf der feucht-fröhlichen Rückfahrt nach Berlin symbolisch die Auszeichnung an ihre Teamkollegin.

Die Berlin Kobra Ladies verabschieden sich mit ihrem elften Titel in zwölf Jahren in die Winterpause, bevor es im nächsten Jahr wieder auf das Footballfeld geht. Lange währt die Pause jedoch nicht, bereits am 01.11.2018 findet das erste Try Out für alle Frauen statt, die neugierig darauf sind, ein Teil des nunmehr alleinigen Rekordmeisters werden zu wollen.

 

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